Praxisbeispiel: Liechtensteinische Post AG

Mit Gesundheitsförderung krankheitsbedingte Absenzen halbiert

Die Liechtensteinische Post AG ist ein moderner fortschrittlicher Arbeitgeber, der Wirtschaft und Private im ganzen Fürstentum mit Postdienstleistungen versorgt. Die Post versteht sich als «Partner für die letzte Meile». Sie verbindet die Menschen.

Portrait

Die Geschäftsleitung hat 2005 die Einführung eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) für die rund 400 Mitarbeitenden der Liechtensteinischen Post AG beschlossen und einen Gesundheitszirkel ins Leben gerufen, der für die Umsetzung der Gesundheitsförderung sorgt. Drei Ziele hat die Geschäftsleitung damals vorgegeben: Das Bewusstsein für Unfall- und Krankheitsprävention soll auf allen Stufen gestärkt, das Wohlbefinden am Arbeitsplatz erhöht und die Abwesenheitstage sollen reduziert werden. Zu diesem Unternehmensentscheid hat nicht zuletzt eine relativ hohe Absenzen-Statistik beigetragen. Dazu kamen Veränderungen in der Arbeitsorganisation, die möglicherweise Verunsicherungen ausgelöst haben, sagt Bea Gabathuler, Bereichsleiterin Personal. Sie ist für die Gesundheitsförderung im Unternehmen zuständig und leitet den Gesundheitszirkel, in welchem alle relevanten Un- ternehmensbereiche vertreten sind.

Betrieblicher Gesundheitszirkel

Für das Gesundheitsmanagement wurde ein Programm zusammengestellt, dessen Eckpfeiler die Bewusstseinsbildung, der Gesundheitszirkel und ein Gesundheitshaus bilden, das als Modell alle Aktionen und Aktivitäten im Rahmen der Gesundheitsförderung und der Gesundheitsprävention umfasst.

Die Liechtensteinische Post betreibt eine breit abgestützte betriebliche Gesundheitsförderung, die von den sechs Mitgliedern des Gesundheitszirkels ausgearbeitet und von der Geschäftsleitung mitgetragen wird. Zum Gesundheitsteam gehören dessen Leiter, ein interner Fitness- und Bewegungstrainer, ein Vertreter der Betriebskommission sowie die Verantwortliche des Bereichs Personal und der Sicherheitsbeauftragte des Unternehmens. Fallweise werden Fachleute zugezogen. Für die Erarbeitung des Massnahmenkatalogs sind von Anfang an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden abgeklärt und in die Programmgestaltung einbezogen worden, sagt Bea Gabathuler.

Konkrete Massnahmen

Zu den ersten Massnahmen gehörte neben der Bewusstseinsbildung insbesondere die Schulung der Führungskräfte im Unternehmen, denn wenn die Gesundheitsförderung Erfolg haben soll, braucht es ein koordiniertes und strukturiertes Vorgehen im Gesamtunternehmen. «Uns ist die Nachhaltigkeit des Gesundheitsmanagements sehr wichtig», sagt Gabathuler. Deshalb seien auch entsprechende Führungsgrundsätze bis hinauf zur Geschäftsleitung aufgestellt worden. Früh wurde auch ein Fitness-Check für die ganze Belegschaft durchgeführt. Bea Gabathuler: «Die anfänglich starke Skepsis unter den Mitarbeitenden wich sehr rasch einer allgemeinen Begeisterung über diese Möglichkeit, die eigene Fitness zu checken und danach zu stärken.»

Spezifische Angebote gibt es heute in den Bereichen Ernährung (Essen unterwegs), Entspannung (Mentaltraining), Bewegung (u.a. Nordic Walking) und Prävention (Grippeimpfung und Ähnliches). Schulungen und Vorträge sowie Workshops zum Thema Gesundheit und Massnahmen zur Arbeitssicherheit runden das Angebot ab. Der Gesundheitszirkel ist zudem laufend dabei, Gesundheitsgefahren zu identifizieren und konkrete Massnahmen zu deren Behebung aufzuzeigen, erklärt Bea Gabathuler. Der Zirkel rapportiert der Geschäftsleitung und schlägt ihr entsprechende Massnahmen vor.

Absenzenmanagement integriert

Zur betrieblichen Gesundheitsförderung gehört bei der Liechtensteinischen Post auch ein umfassendes Absenzenmanagement. Dabei geht es nicht nur um die Erfassung von krankheits- und unfallbedingten Absenzen, sondern um eine beratende Begleitung der betroffenen Mitarbeitenden. Als Personal-Fachfrau weiss Bea Gabathuler, wie wichtig die frühzeitige Erkennung und rechtzeitige Betreuung potenziell langfristiger Nichtarbeitsfähiger ist: «Bereits nach 12 Wochen sinkt die Chance der Arbeitswiederaufnahme drastisch, und proportional dazu steigt der Eingliederungsaufwand zur Rückgewinnung der Arbeitsfähigkeit massiv an.» Alle Führungskräfte werden deshalb für die frühzeitige Erkennung von Krankheiten geschult. Das Absenzenmanagement wird durch ein Case Management ergänzt. Das heisst, Betroffene werden von einer Fachperson betreut, die für einen optimalen Ablauf sorgt und zu den Schnittstellen (Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten sowie Versicherungen und weiteren involvierten Stellen) Kontakt hält und Entscheidungen vorbereitet.

Messbare Erfolge

Die Liechtensteinische Post macht regelmässig Mitarbeiterumfragen. Die Resultate seien «sehr erfreulich», sagt Gabathuler. Die Erkenntnisse aus den Umfragen fliessen in die Programme des Gesundheitszirkels ein. Es sind aber nicht nur Meinungen, die den Erfolg des betrieblichen Gesundheitsmanagements bestätigen. Es gibt auch messbare Grössen. So zeigen die Zahlen der Post bei den kurzen Krankheitsfällen «deutliche Verbesserungen». Besonders stolz ist Bea Gabathuler als Leiterin Personelles, «dass sich die Zahlen der gesundheitlich- oder unfallbedingten Absenzen seit der Einführung der Gesundheitsförderung halbiert haben».

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Kernaussage zu BGM:

«Ein Unternehmen ist so gesund und erfolgreich wie die Menschen, die dort arbeiten.»