Praxisbeispiel: Kantonsspital St. Gallen

«Gsund am Kanti»

Das Unternehmen Kantonsspital St. Gallen, zu welchem auch die Spitäler Rorschach und Flawil gehören, beschäftigt rund 5500 Mitarbeitende. Neben der medizinischen Grundversorgung für die Bevölkerung in der Region bietet das sechstgrösste Spital der Schweiz auch spezialisierte Zentrumsleistungen für die gesamte Ostschweiz an und übernimmt umfangreiche Bildungs- und Forschungsaufgaben. Für die eigenen Mitarbeitenden werden unter dem Label «Gsund am Kanti» verschiedene Massnahmen rund um Gesundheitsförderung, Prävention, Beratung und Case Management angeboten.

Portrait

Bei der täglichen Arbeit am Kantonsspital St.Gallen (KSSG) steht primär die Gesundheit der Patienten im Zentrum, und die Anforderungen sind gerade in der Pflege und beim medizinischen Personal hoch. In diesem Umfeld kommt der Gesundheit der Mitarbeitenden eine besondere Bedeutung zu, wie Matthias Isenschmid, Leiter des HR Gesundheitsmanagements am KSSG, erklärt: «Wir möchten die Mitarbeiten- den sensibilisieren und sie dabei unterstützen, in ihrem Alltag neben den Bedürfnissen des Patienten auch die eigene Gesundheit nicht zu vergessen. Die Förderung der Eigenverantwortung jedes einzelnen Mitarbeitenden ist dabei ein wichtiges Thema.»

Ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen

Am KSSG ist das betriebliche Gesundheitsmanagement im Bereich Human Resources in der Abteilung HR Gesundheitsmanagement organisiert. Mit verschiedenen Massnahmen werden unter dem Label «Gsund am Kanti» gute Arbeitsbedingungen gefördert. «Unser Hauptanliegen ist das Wohlbefinden der Mitarbeitenden», sagt Matthias Isenschmid. «Aber natürlich geht es auch darum, krankheitsbedingte Absenzen proaktiv zu verringern. Denn ein gutes, gesundes Arbeitsklima stärkt neben der Gesundheit auch die Motivation und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden.» Dabei spielt auch die Führungskultur eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund werden für Führungskräfte Kurse und Schulungen angeboten: «Das Ziel ist, Führungspersonen für die Möglichkeiten gesunder Führung zu sensibilisieren und sie fit zu machen für die besonderen Herausforderungen unserer Branche – in Bezug auf ihr Team, aber auch in Bezug auf ihre eigenen Ressourcen. Ergänzend erarbeiten wir Konzepte und praktische Grundlagen wie Checklisten oder Merkblätter für Vorgesetzte, damit sie in schwierigen Situationen richtig reagieren können.»

Ganzheitliches Verständnis von BGM

Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist am KSSG in drei Säulen organisiert. «Uns ist es wichtig, betriebliche Gesundheitsförderung ganzheitlich anzugehen. Auf der individuellen Ebene möchten wir gesundes Verhalten bei den einzelnen Mitarbeitenden fördern, auf der Ebene der Organisation sorgen wir für gesunde Verhältnisse», erklärt Matthias Isenschmid. Die erste Säule betrifft Massnahmen rund um Führung und Personalentwicklung: Dazu zählen das Anwesenheitsmanagement, das Case Management und Beratungsstelle für Mitarbeitende. Verschiedene Angebote und Aktionen zur individuellen Gesundheitsförderung bilden die zweite Säule: So werden zu günstigen Konditionen gesundheitsfördernde Kurse wie Yoga, Pilates oder Meditation angeboten, und die Mitarbeitenden können über Mittag und zu Randzeiten im eigenen Fitnesscenter trainieren. Bei der dritten Säule geht es um ein gesundes Arbeitsumfeld, beispielsweise ergonomische Arbeitsplätze, Sicherheit und Arbeitsschutz. Matthias Isenschmid räumt ein: «Gegenüber anderen Unternehmen haben wir natürlich einen gewissen Vorteil: Viel Fachkompetenz und Infrastruktur ist bereits vorhanden, die wir auch für die betriebliche Gesundheitsförderung nutzen können. Beispiele dafür sind Kooperationen mit dem personalärztlichen Dienst, der Ernährungsberatung, der Physiotherapie oder der Rauchstopp-Sprechstunde.»

Beratung für Mitarbeitende und Case Management

«Herzstück» der Abteilung HR Gesundheitsmanagement am KSSG sind die Beratungsstelle für Mitarbeitende und das Case Management. Erstere steht allen Mitarbeitenden offen, ist vertraulich und soll sicherstellen, dass besondere Fragen oder Belastungen frühzeitig zur Sprache kommen und nachhaltige Lösungen gefunden werden. Mit dem Case Management werden Mitarbeitende bei längerer Arbeitsunfähigkeit und unklarem Wiedereinstieg am Arbeitsplatz, bei häufigen Absenzen, Leistungsrückgang oder bei Anzeichen einer Suchterkrankung unterstützt. Neben individueller Beratung koordiniert das Case Management verschiedene Hilfeleistungen und entwickelt gemeinsam mit allen Beteiligten Massnahmen und individuelle, nachhaltige Lösungen. Vor einem Jahr wurde dieses Angebot speziell für Lernende und Auszubildende ausgebaut, um junge Mitarbeitende in schwierigen Situationen zu unterstützen den anvisierten Ausbildungsabschluss zu erreichen.

Integrationsquote

«Durch unser Case Management haben wir nach Arbeitsunfähigkeiten eine hohe Integrationsquote», sagt Matthias Isenschmid. Ein Erfolgsfaktor ist dabei das lösungsorientierte Vorgehen, das auch einmal neue Wege beschreitet. Ein Beispiel dafür ist die Gruppe «HELP», die für Garten- und Hilfsarbeiten auf den Spitalgeländen zuständig ist und von einem Arbeitsagogen geleitet wird. Mitarbeitende, die während ihrer Anstellung invalid werden und eine Rente beziehen, haben die Möglichkeit, im Rahmen dieses Nischenarbeitsplatzes weiterhin tätig zu bleiben. «Das ist auch ein Signal nach Innen», sagt Matthias Isenschmid abschliessend: «Es zeigt, dass wir auch in komplexen und schwierigen Situationen stets versuchen, für betroffene Mitarbeitende eine nachhaltige Lösung zu finden.»

Kernaussage zu BGM:

«Gerade im Gesundheitswesen müssen wir darauf achten, dass Gesundheit nicht nur in Bezug auf die Patienten ein Thema ist, sondern ebenso im Hinblick auf das Wohlergehen der Mitarbeitenden.»